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Big Data für alle: UX bietet Schnittstelle zwischen IT und Fachexperten

Im Gespräch mit Sebastian Ullherr, UX-Experte und Creatve Director bei interfacewerk über die Bedeutung von User Experience in Zeiten von Big Data:

Was versteht man unter User Experience (UX)?

User Experience (UX) ist ein Begriff aus der Softwareentwicklung und geht weit über das in den letzten Jahren zum Standard gewordenen User Interface- und Usability-Design hinaus. Während es beim UI-Design vor allem darum geht, dass ein Problem so einfach wie möglich gelöst werden kann, stellt UX die Frage, wie gut die zu programmierende Software ein Problem in der realen Welt lösen kann. Deshalb ist der UX-Designer oft auch Produktentwickler, denn er muss sich die Frage stellen, für wen das Produkt ist und welches Problem damit gelöst werden soll. Usability ist damit ein Teilbereich des UX, da nur nutzerfreundliche Lösungen tatsächlich effizient Probleme lösen können.

Warum ist UX so wichtig?

Der Erfolg einer Software hängt davon ab, wie gut sie ein Problem in der realen Welt löst.  Der UX-Designer sorgt durch einen effektiven Feedback-Circle dafür, dass die Software den an sie gestellten Ansprüchen genügt. UX will aber vor allem sicherstellen, dass die Software etwas für den Menschen tut. Damit ist der UX-Designer auch oft ein Vermittler zwischen Geschäftsinteressen und Nutzerinteressen.

Integration von Fachexperten für valide, verständliche Ergebnisse

Welche Bedeutung hat UX in Zeiten von Big Data?

In Zeiten von Big Data müssen Daten so aufbereitet und organisiert werden, dass Menschen gute Entscheidungen treffen können, denn Nutzer haben an sich kein Interesse an Daten, sondern daran, valide Entscheidungsgrundlagen zu haben. Deshalb ist die Aufgabe eines UX-Designers die Vermittlung zwischen komplexen Analysemethoden und der Anwendung in der realen Welt. Das bedeutet konkret, dass in einem ersten Schritt Analysedaten zur Verfügung gestellt werden, die für die Nutzer nützlich sind. Der zweite Schritt besteht darin, diese Analysen verständlich für den User zu machen. Das bedeutet, dass auch Fachexperten aus anderen Bereichen wissen, was die Informationen bedeuten und diese im dritten Schritt für Entscheidungen nutzen können.

An exakt diesem Thema scheitern oft Big Data Firmen. Sie sind nicht in der Lage, die Ergebnisse so verständlich zu machen, dass sie zur Umsatz- und Gewinnsteigerung genutzt werden können.

Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus? Was müssen Sie zusätzlich beachten?

Früher galt, dass User Interfaces möglichst simpel sein müssen. Dies gilt für Big Data Software nur noch eingeschränkt, denn die Analysen sind heutzutage sehr komplex und wenn ihre Durchführung zu schnell und einfach ist, sind die daraus gewonnenen Ergebnisse oft falsch. Deshalb ist es in der User Experience wichtig, die Nutzer an den richtigen Stellen zum Nachdenken zu bringen und dafür zu sorgen, dass Nutzer bereits während der Nutzung gute Entscheidungen treffen.

Aus diesem Grund sind wir auch ganz stark Zuhörer. Wir müssen genau zuhören, verstehen und beobachten, welche Probleme gelöst werden müssen. Oft müssen wir auch das Offensichtliche erkennen und nennen, was andere nicht sehen, um weiterzukommen.

Größerer Unternehmenserfolg mit guten Entscheidungen

Welche Zielsetzungen verfolgen Sie bei der Entwicklung eines neuen User Interface in Zeiten von Big Data?

Unsere Hauptzielsetzung ist es, dass Menschen gute Entscheidungen treffen, die tatsächlich dazu führen, dass ein Unternehmen erfolgreich ist. Dazu nutzen wir das Prinzip der Iteration, das heißt den regelmäßigen Realitätsabgleich mit unseren Kunden. Wir bauen komplexe Software, die komplexe Analysen machen und müssen uns immer wieder versichern, dass unsere Entwicklung in die richtige Richtung geht. Die Ergebnisse, wie Nutzer mit einer Software umgehen sind nicht vorhersehbar, deshalb gewinnt UX, die sich ja genau mit diesem Thema auseinandersetzt, immer mehr an Fahrt.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung vor? Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrem Kunden aus?

Wir arbeiten mit Kunden, denen klare User Interfaces und gute User Experience genauso wichtig sind wie uns, Dies ist besonders wichtig, da die Entwicklung im UX-Design kein ist Standardprozess, sondern iterativ verläuft. Wir arbeiten eng mit den Kunden zusammen, machen Realitätsabgleiche und integrieren uns in die Prozesse der Kunden. Im Entwicklungsprozess nehmen wir eine Vermittlerrolle zwischen den Geschäftsinteressen der Unternehmer und den Userinteressen ein. Wir müssen genau wissen und verstehen, wie die User denken. Nutzer ticken sehr unterschiedlich, aber es gibt inzwischen einige Konventionen, wie User vorgehen. Die Herausforderung für uns besteht darin, die richtige Konvention für den richtigen Userkreis zu finden.

„Unser Ziel – an den User angepasste Software“

Dabei spielt die Psychologie eine immer wichtigere Rolle, es geht nicht mehr nur um Programmierung, sondern auch um das Verständnis von Menschen. Das macht die Rolle des UX-Designers sehr spannend, da wir im engen Kontakt mit Menschen stehen und im Endeffekt sicherstellen, dass diese die Ergebnisse verstehen und erfolgreich in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Denn unser erklärtes Ziel ist es, dass sich nicht der Nutzer an die Software anpasst, sondern die Software an den Nutzer.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie das gewünschte Ergebnis erhalten?

Im Wesentlichen nutzen wir drei verschiedenen Tools. Wir machen Field Studys, um zu sehen, was die Kunden tatsächlich brauchen und machen Interview, um zu verstehen, wie sie ticken. Am Ende steht bei uns ein Usability Test. Dazu holen wir uns das Feedback von realen Nutzern. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Es ist sehr schwer, die richtigen Nutzer für eine neue Anwendung zu finden, aber es lohnt den Aufwand. Wir haben oft den Vorteil, dass wir direkt mit unseren Kunden sprechen können, ansonsten haben wir uns ein großes Netzwerk aufgebaut, aus dem wir die passenden User requirieren. Oft reichen schon  3-5 Nutzer aus, um zu verstehen, was funktioniert oder was nicht. Dazu beobachten wir das Verhalten der User mit Kameras und bitten sie auch, laut zu denken. Diese Beobachtungen nutzen wir dann, um die Software anzupassen. Um eine für den User funktionierende Software zu entwickeln, reichen oft bereits vier bis fünf Iterationen dieses Prozesses aus.

UX DesignerGesprächsparter: Sebastian Ullherr, Creative Director bei inerfacewerk UG

Nach 8 Jahren Erfahrung in der Gründerszene und der Gründung mehrerer Startups hat Sebastian Ullherr zusammen mit Moritz Türck das UX Design Studio interfacewerk ins Leben gerufen, um Software verständlicher zu machen.

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